Schutzkonzept – Sport ohne Gewalt
Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz, Respekt und Würde. Beim TuS Jöllenbeck soll sich jede und jeder sicher fühlen – im Training, in der Halle, auf Fahrten und überall dort, wo wir als Verein unterwegs sind. Für unsere Handballabteilung gilt das genauso wie für alle anderen Abteilungen.
Warum ein Schutzkonzept?
Sport lebt von Nähe und Vertrauen. Kinder und Jugendliche verbringen viele Stunden pro Woche mit Trainerinnen und Trainern, Betreuerinnen und Betreuern. Es wird zusammen trainiert, gefahren, gejubelt und getröstet. Genau diese Nähe ist das Schöne am Vereinssport – und zugleich der Grund, warum es klare Regeln braucht.
Der TuS Jöllenbeck hat deshalb ein Schutzkonzept erarbeitet und im Vorstand beschlossen. Es macht verbindlich, wie wir miteinander umgehen, was im Verein nicht toleriert wird und was passiert, wenn jemand eine Grenzüberschreitung beobachtet, erlebt oder vermutet. Das Konzept schützt dabei beide Seiten: die uns anvertrauten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen – und alle, die ehrenamtlich für den Verein tätig sind und Handlungssicherheit brauchen.
Für wen gilt es?
Für alle. Das Schutzkonzept gilt für Mitglieder, Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer, Vorstand, Eltern und alle, die im Namen des Vereins unterwegs sind. Der Schutzauftrag bezieht sich besonders auf Kinder und Jugendliche, schließt aber ausdrücklich alle Mitglieder ein.
Wie ist es entstanden?
Entwickelt wurde das Konzept vom Arbeitskreis „Sport ohne Gewalt“ gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Abteilungen. Grundlage war eine Risikoanalyse: Wir haben systematisch geschaut, in welchen Situationen im Vereinsalltag Risiken entstehen können – etwa in Umkleiden, bei Einzeltrainings, auf Fahrten mit Übernachtung oder in der digitalen Kommunikation. Daraus sind die konkreten Maßnahmen abgeleitet worden. Die Satzungspassagen wurden zusätzlich vom Landessportbund NRW gegengeprüft.
Das Schutzkonzept ist kein Papier für die Schublade. Es wird mindestens alle drei Jahre überprüft und weiterentwickelt – und immer dann, wenn neue Erkenntnisse oder Erfahrungen aus dem Vereinsleben es erfordern.
Das steht drin
Das Schutzkonzept umfasst gut 40 Seiten. Die wichtigsten Bausteine im Überblick:
Klare Haltung
Wir benennen, was interpersonelle Gewalt ist – körperlich, emotional, sexualisiert, digital – und ziehen eine klare Grenze.
Verhaltensleitlinien
Verbindliche Regeln für Trainerinnen und Trainer, für Sportlerinnen und Sportler und für Eltern: Körperkontakt, Umkleide, Fahrten, Fotos, Social Media.
Ehrenkodex
Alle, die für den Verein mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, unterschreiben Ehrenkodex, Verhaltensleitlinien und Selbstverpflichtung.
Erweitertes Führungszeugnis
Pflicht für alle, die regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – vor Tätigkeitsbeginn und danach alle fünf Jahre.
Ansprechpersonen
Qualifizierte Ansprechpersonen in den Abteilungen – erreichbar, vertraulich und auf Wunsch anonym.
Klarer Meldeweg
Für Beobachtungen, Verdachtsmomente und Vorfälle gibt es einen festgelegten Ablauf – vom ersten Hinweis bis zur Aufarbeitung.
Unsere Verhaltensleitlinien
Diese Regeln gelten im gesamten Verein. Sie geben Orientierung und schaffen Handlungssicherheit – für die, die betreut werden, und für die, die betreuen.
Für Trainerinnen, Trainer und Betreuende
- Körperkontakt ist im Sport normal und oft nötig – er muss aber altersgerecht, situationsangemessen und niemals gegen den erkennbaren Willen einer Person erfolgen. Auf ein „Nein“ oder „Stopp“ wird sofort reagiert.
- Kein gemeinsames Duschen mit Sportlerinnen und Sportlern. Keine Foto- oder Videoaufnahmen in Umkleiden und Duschen.
- Verantwortliche halten sich während des Umziehens nicht in den Kabinen auf, sofern die Aufsichtspflicht das nicht erfordert. Wird ein Betreten nötig, wird angeklopft.
- Ist Hilfe beim Umziehen nötig, unterstützt möglichst eine gleichgeschlechtliche erwachsene Person – und in Anwesenheit einer zweiten erwachsenen Person.
- Einzeltrainings finden nur statt, wenn eine weitere erwachsene Person anwesend oder unmittelbar erreichbar ist. Trainingseinheiten werden nach Möglichkeit von zwei Personen begleitet.
- Bei Fahrten und Übernachtungen schlafen Betreuende nicht mit Kindern oder Jugendlichen in einem Zimmer. Vor dem Betreten wird angeklopft.
- Digitale Kommunikation mit Minderjährigen läuft grundsätzlich über Gruppen oder unter Einbeziehung der Eltern – nicht über Einzelkontakte.
- Wer aus gutem Grund von einer Regel abweichen muss, stimmt das vorher mit einer weiteren verantwortlichen Person ab und dokumentiert es.
Für unsere Sportlerinnen und Sportler
- Wir respektieren die Grenzen und Gefühle aller. Niemand wird wegen seiner Gefühle, Wünsche oder Grenzen ausgelacht, abgewertet oder bloßgestellt.
- Wenn dir etwas unangenehm ist, darfst du jederzeit „Nein“, „Stopp“ oder „Hör auf“ sagen.
- Wenn jemand zu dir „Nein“ oder „Stopp“ sagt, hörst du sofort auf.
- Körperliche und verbale Grenzverletzungen haben bei uns keinen Platz – im Training, im Spiel und daneben.
- Wenn dich etwas beschäftigt: Sprich jemanden an, dem du vertraust. Du wirst ernst genommen.
Für Eltern und Erziehungsberechtigte
- Als Erwachsene nehmen wir unsere Vorbildfunktion bewusst wahr – respektvoll im Ton, auch bei knappen Spielen und strittigen Entscheidungen.
- Wir vertrauen den Trainerinnen und Trainern ihre sportliche und pädagogische Verantwortung an und geben während Training und Spiel keine eigenen Anweisungen.
- Kritik und Unmut äußern wir sachlich – im persönlichen Gespräch und nicht öffentlich vor Kindern, Jugendlichen oder anderen Beteiligten.
- Bei Vereinsveranstaltungen gehen wir verantwortungsbewusst mit Alkohol und Tabak um.
- In Umkleide- und Sanitärbereichen halten wir uns nur so lange auf wie nötig und achten auf die Privatsphäre aller Kinder.
- Beim Fotografieren und beim Teilen von Bildern achten wir auf die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten.
Du hast etwas beobachtet oder erlebt?
Kein Verdacht ist zu klein, um darüber zu sprechen. Du musst dir nicht sicher sein, und du musst nichts beweisen. Es reicht, wenn dir etwas komisch vorkommt.
Schritt 1 – Ruhe bewahren
Kein überstürztes Handeln, keine eigenen Ermittlungen, keine voreiligen Versprechen. Wilder Aktionismus schadet zuerst den Betroffenen.
Schritt 2 – Aufschreiben
Notiere möglichst zeitnah, was du beobachtet oder gehört hast: Datum, Situation, beteiligte Personen, Wortlaut.
Schritt 3 – Ansprechperson kontaktieren
Wende dich an eine unserer qualifizierten Ansprechpersonen. Das Gespräch ist vertraulich. Ohne deine Zustimmung wird nichts über deinen Kopf hinweg entschieden.
Schritt 4 – Gemeinsam weitergehen
Bei Bedarf wird ein Krisenteam einberufen und externe Fachberatung hinzugezogen. Alle Schritte werden dokumentiert, der Datenschutz wird gewahrt.
Wenn du dich lieber außerhalb des Vereins beraten lassen möchtest: Die Anlaufstellen weiter unten beraten kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.
Sport ohne Gewalt – dein direkter Draht
Der TuS Jöllenbeck hat in mehreren Abteilungen qualifizierte Ansprechpersonen benannt – auch für den Handball. Sie sind erste Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern, Mitglieder und Ehrenamtliche bei Fragen, Beobachtungen oder Unsicherheiten.
Alle Anliegen werden vertraulich behandelt. Die Ansprechpersonen hören zu, geben Orientierung und vermitteln bei Bedarf an geeignete Fachstellen. Sie ersetzen keine therapeutische, medizinische oder rechtliche Beratung – und sie entscheiden nichts über den Kopf der betroffenen Person hinweg.
Die Namen der aktuell qualifizierten Ansprechpersonen findest du in Anlage 1 des Schutzkonzeptes.
Hilfe außerhalb des Vereins
Diese Stellen beraten kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym – unabhängig vom Verein.
- Safe Sport e.V. – unabhängige Beratungsstelle gegen Gewalt im Sport
0800 11 222 00 · Mo, Mi, Fr 10–12 Uhr, Do 15–17 Uhr - Nummer gegen Kummer – Kinder- und Jugendtelefon
116 111 · nummergegenkummer.de - Nummer gegen Kummer – Elterntelefon
0800 111 0550 - N.I.N.A. – Hilfetelefon sexueller Kindesmissbrauch
0800 22 55 530 · nina-info.de
- Hilfetelefon Gewalt an Männern
0800 123 9900 · maennerhilfetelefon.de - jugendnotmail.de – Onlineberatung für junge Menschen bis 24 Jahre
jugendnotmail.de - Sportbund Bielefeld – Anke Schniederkötter-Kruse
0521 52515-75 - Landessportbund NRW – Vertrauliche Anlaufstelle
schutz-vor-gewalt@lsb.nrw
Schutzkonzept TuS Jöllenbeck – „Sport ohne Gewalt“
Version 1.4 · Stand September 2026 · PDF, ca. 1,4 MB
Inklusive Ehrenkodex, Verhaltensleitlinien, Selbstverpflichtungserklärung und Verfahren zum erweiterten Führungszeugnis.
Das Schutzkonzept ist Anlage zur Satzung des TuS Jöllenbeck und wird mindestens alle drei Jahre überprüft und fortgeschrieben. Fragen, Hinweise oder Anregungen zum Konzept? Schreib uns an sportohnegewalt@tus-joellenbeck.de.